InfluencerInnen

 Instagram & Co. Der Medienpädagoge Björn Friedrich nahm die Rollenvorbilder von Influencern unter die Lupe.95 Prozent der Jugendlichen zwischen 13 und 15 Jahren haben ein eigenes Smartphone, und neben WhatsApp zum Chat mit Freunden gehören Instagram, TikTok und YouTube zu den für sie wichtigsten Apps. Auf diesen Plattformen tummeln sich viele Influencerinnen und Influencer, sie erreichen mit ihrem meist täglichen Post enorm viele Fans und Follower.
Beim Vortrag des Medienpädagogen Björn Friedrich in der Stadt- und Schulbücherei ging es um einen Blick hinter die Fassade und um die Frage, welche Rollenbilder durch den regelmäßigen Kontakt mit Online-Stars und -Sternchen vermittelt werden. Im Rahmen der Reihe „Medienwelten“ hatten der Verein gunnet und die Bücherei den Münchner Medienexperten eingeladen.
Als Mitarbeiter des „SIN-Studios im Netz“ befasst sich Björn Friedrich mit dem Einfluss digitaler Angebote auf junge Menschen. So hat er sich auch mit den Auftritten von bei Jugendlichen beliebten Influencern beschäftigt. Sein Fazit: Klassische Geschlechterklischees und Schönheitsideale werden hier übermittelt und somit ein Druck zur Selbstoptimierung geschaffen.
Bei den männlichen Influencern sind breite Schultern, muskelbepackte Arme und Sixpacks zu bewundern. Erfolgreich sind Influencerinnen, die Schminktipps geben und ein Händchen für die Gestaltung ihres Umfelds haben. Pastellfarbene Lifestyle-Posts und die Präsentation der Schokoladenseite des Lebens erhalten die meisten Likes bei weiblichen Jugendlichen. Entsprechend fallen die Vorgaben aus, die junge Menschen für ihre Selbstinszenierung in eigenen Beiträgen erfüllen möchten.
Schlank und sportlich
Der Referent zitierte dazu aus einer Veröffentlichung der MaLisa-Stifung: Mädchen ahmen in ihren Posen die bei ihnen beliebten Influencerinnen nach. Möglichst „spontan“ sollen die Selfies wirken, gut gelaunt wird sich präsentiert, der Körper soll möglichst schlank und sportlich wirken. Viele helfen mit Body-Editor-Apps nach: Busen größer, Hüfte schmaler, Taille schlanker, Beine länger.
Der Referent gab auch Einblicke in die Funktionsweise des Marketings: Influencer verdienen an ihrer Prominenz und Beliebtheit, indem sie als Meinungselite auch Markenbotschaften in ihre Posts implementieren und ein homogenes Zielpublikum für zugeschaltete Werbung hinter sich bringen. Bei Nischenprodukten, etwa im Bereich Mountainbiking, kann ein beliebter Instagramer bereits mit knapp 10.000 Followern gutes Geld verdienen. Ein Superstar wie Cristiano Ronaldo postet neben vielen Bildern, auf denen er Nike-Produkte trägt, auch mal einen perfekt inszenierten Fußballschuh und wird dafür sicherlich mehr als ordentlich bezahlt. Solche Post, so informierte Björn Friedrich, müssen mit „#werbung“ gekennzeichnet werden, ebenso müssen Bildbearbeitungen gekennzeichnet werden.
Selbstverständlich geht es bei den Erfolgreichen nicht nur um Schönheit, Make-up und Lifestyle. Es gibt auch viel zu lachen und jede Menge Selbstironie, die gut ankommt. In YouTube-Kanälen haben zudem professionelle Gamer ihre eigenen Plattformen. Auch ihre Videos erreichen ein großes Publikum.
Was haben nun Erziehende einer solchen Einflussnahme von Werbung gepaart mit kalkulierter Inszenierung entgegenzusetzen? Friedrich rät dazu, immer auf dem Laufenden zu bleiben, welche Accounts die Kinder und Jugendlichen nutzen. Er hält viel davon, sich ab und an etwas gemeinsam anzuschauen, und Eltern sollten dann ruhig ihre Meinung äußern: Was ist daran gut, was gefällt mir weniger.
Vielleicht können Eltern auch die eigene Mediennutzung unter die Lupe nehmen und an ihre Vorbildfunktion denken. Denn Björn Friedrich ist überzeugt: Den Weg in die digitale Welt zu versperren, ist keine Alternativ. Dennoch gilt es zu bedenken, auch mal die Nutzungsdauer ins Visier zu nehmen. Denn da äußert sich der Experte sehr klar: „Die Dosis macht das Gift.“
Was gucken die jungen Menschen? Hier einige Beispiele für erfolgreiche Influencerinnen und Influencer bei Instagram, TikTok und YouTube:
Zu den beliebtesten Insta-Idolen gehören oft Sportler. Spitzenreiter ist Cristiano Ronaldo mit aktuell 548 Millionen Followern, gefolgt von Lionel Messie mit 531 Millionen. Erwähnt werden sollte hier auch noch die erfolgreiche Präsentation der Muskelberge des Schauspielers und ehemaligen Wrestlers Dwayne Johnson, alias „The Rock“, er hat 367 Millionen Instagram-Fans.
Kylie Jenner hat 377 Millionen Instagram-Follower, eine eigene Kosmetik-Marke und ein eigenes Mode-Label. Hier fließen Werbung und Selbstdarstellung untrennbar zusammen. Fast ebenso erfolgreich agiert die US-Schauspielerin und Musikerin Selena Gomez in den sozialen Medien, sie hat 367 Millionen Follower.
130 Millionen Follower
Auf TikTok hat Charli d’Amelio 130 Millionen Follower. Sie postet vor allem Videos, in denen sie beliebte TikTok-Tänze performt.
Mit seinen Comedy-Clips, die ohne Worte auskommen, ist der italienische Khabane Lame berühmt geworden. Bei TikTok hat er 154 Millionen Follower.
Der Webvideoproduzent Younes Zarou hat für seinen internationalen TikTok-Account mittlerweile 50 Millionen Follower gewinnen können und gehört zu den erfolgreichen deutschen TikTok-Stars. Er postet kreative Video mit vielen farbenfrohen Special-Effects und verrät auch oft, welcher Trick hinter den eindrucksvollen Bildern steckt.
Fast fünf Millionen Abonnenten bei YouTube hat der Gamer Gronkh. Er spielt Videospiele und gibt dazu lustige Kommentare ab. Einen ähnlichen Kanal hat der Jugendbuchautor und Gamer Paluten, auch er gehört zur erfolgreichen Gaming-Szene in Deutschland und nimmt in seinen Webvideos mit in die Welt von Minecraft. 1,4 Millionen Abonnenten hat Domtendo, der seine „Let’s plays“ auf YouTube präsentiert. Die von ihm gewählte Berufsbezeichnung: Gaming-Video-Creator.

Babett Guthmann (links, Stadt- und Schulbücherei) und Monika Wopperer (gunnet e.V.) dankten Björn Friedrich

 

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