Stephani-
Volksschule

Grundschule

Hauptschule

Termine

Aktuelles

Schulgeschichte

Email

Stephani-Volksschule Gunzenhausen

Jahresbericht 1995/96 (Hauptschule)



Rechtschreibreform

Es ist vollbracht: Vertreter der Kultusministerien aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Liechtenstein sowie von vier Ländern mit deutschsprachiger Minderheit (Belgien, Italien, Rumänien, Ungarn) unterzeichneten am 1. Juli 1996 eine gemeinsame Absichtserklärung, ab August 1998 neue Rechtschreibregeln einzuführen. Der Präsident der deutschen Kultusministerkonferenz, Karl-Heinz Reck, erklärte nach der Unterzeichnung, dass die Neuregelung sicherlich keine grundlegende Reform sei, aber Sinn mache. In jedem Fall sei es ein historisches Datum für die deutsche Sprachgemeinschaft. Das Adjektiv "historisch” kann sich dabei allerdings kaum auf den Inhalt der Reform beziehen, allenfalls auf die Zeit, die - nach vielen vergeblichen Anläufen - verflossen ist, bis es zu den in einigen Jahren geltenden Neuregelungen kam.

Nach Einführung der einheitlichen Rechtschreibung im deutschen Sprachraum im Jahre 1902, die auf Beschlüsse der staatlichen Orthografiekonferenz 1901 in Berlin zurückgeht, hat es immer wieder Versuche gegeben, die Einheitsschreibung zu verbessern. Im Durchschnitt war es - dies erscheint nahezu unglaublich - einer pro Jahr. Allerdings war keinem von ihnen Erfolg beschieden. Jetzt hat man sich nach langem Hin und Her geeinigt. Herausgekommen ist wahrlich kein revolutionärer, Angst machen müssender Alptraum, auch keine Nulllösung, wohl eher ein gut gemeintes Miniaturreförmchen, das umstürzlerische Ambitionen hinter sich gelassen hat oder auch lassen musste.

In sechs Bundesländern, darunter in Bayern, werden die neuen Rechtschreibregeln schon ab dem kommenden Schuljahr eingeführt. Allerdings bleibt noch bis zum Jahre 2005 Zeit zum Üben. Bis dahin gelten alte und neue Schreibweise nebeneinander. Erst ab 2005 streicht der Lehrer Fehler, falls er sie erkennt, an und benotet sie. Gleichwohl bleibt es jedem Einzelnen selbstverständlich unbenommen, außerhalb der Schulen seine eigene Rechtschreibung zu pflegen. Wer also künftig orthografische Wortschöpfungen wie Flussschifffahrt, Delikatesssenf, Presssack, Fresssack, Nessessär oder Poussierstängel eher als misslungen und potthässlich erachtet und ihnen sehr misstrauisch gegenüber steht, darf sich gestresst auf einen Tufffelsen zurückziehen, seinen Rollladen herunterlassen und am helllichten Tag, umgeben von Gämsen, überschwänglich seiner heiß geliebten Selbstständigkeit frönen. Es wird ihn dann keine helllilane Kennnummer, kein Balllokal voll mit Balletttänzerinnen, deren aufreizendes Dekolltee ihn sonst Rad schlagen lässt, und kein Betttuch mehr anfechten. Er wird behände einen ganz persönlichen Schlussstrich unter die Rohheit orthografischer Reformbemühungen ziehen, seine Spagetti mit Tunfisch oder Ketschup reinziehen und sich ansonsten auf die zunehmende Schnelllebigkeit der Zeit verlassen, die den verunsicherten Bürger wohl keine 90 oder gar mehr Jahre mit einer neuerlichen Reform hinhält.

Wie gesagt: Jeder darf sich so verhalten. Denn auch die neuen Rechtschreibregeln, wie das Werk einer einheitlichen Orthografie an sich, sind absolut kein obrigkeitsstaatlicher Willkürakt, gerichtet gegen allzu viele aufmüpfige Untertanen, sondern Basis für das Funktionieren einer allgemeinen schriftlichen Kommunikation. Dazu ist jedoch niemand verpflichtet. Die neuen Regeln mögen einem missfallen, dass sie besser sind als die alten, steht ausser Frage. Es wird ein bisschen Arbeit bedeuten, sie sich anzueignen - übrigens für Lehrer und Schüler. Packen wir's an. Im nächsten Schuljahr.

PS Der neue Rechtschreibduden erschien am 22. August 1996, jetzt können Sie den obigen Text nach den neuen Rechtschreibregeln korrigieren.

Georg Weigel
Zurück zur Übersicht Jahresbericht

Zur Übersicht Jahresbericht

Zurück zur Übersicht Schulgeschichte

Zu den Bildungsseiten der Stadt