Ende dieses Schuljahres werden 89 Schülerinnen und Schüler unserer
Schule nach erfolgreich erfüllter Schulpflicht ins Leben entlassen. Eigentlich dürfen
sie sich zu Recht auf einen angemessenen Platz in unserer Gesellschaft freuen,
zumindest auf einen Ausbildungsplatz. Die Realität sieht aber leider anders
aus. Mitte Juni hatten gerade einmal 20 einen betrieblichen Ausbildungsplatz
sicher, 18 hatten wenigstens einen in Aussicht", 31 entschlossen sich, weiterhin
die Schulbank zu drücken oder wurden in eine Fördermaßnahme der
Arbeitsverwaltung aufgenommen, 20 Schülerinnen und Schüler waren noch völlig unversorgt.
Eberhard Schneider, Chef des Arbeitsamtes in Weißenburg, bezeichnete
im Arbeitskreis Schule-Wirtschaft die Zustände als Ausbildungsstellennot".
Es handelt sich nicht um eine isolierte Erscheinung an unserer Schule, sicher
auch nicht um ein rein hauptschulspezifisches Problem, auch wenn es
Hauptschüler stärker trifft, sondern um eine Folge der schwachen Konjunktur unserer
Wirtschaft und der immer noch steigenden Zahl der Bewerber. Wurden dem
Weißenburger Arbeitsamt 1992 noch 2.123 Ausbildungsplätze zur Vermittlung
angeboten, waren es 1997 nur noch 1.150. Gegenüber dem Vorjahr standen im
Altlandkreis Weißenburg 20 % weniger Ausbildungs-plätze zur Verfügung und im
Altlandkreis Gunzenhausen 11 % weniger. Im Arbeitsamtsbereich
Gunzenhausen sind heuer 212 freie Ausbildungsplätze gemeldet, denen 278 Bewerber
gegenüber-stehen. Das sind 1,3 Bewerber pro Ausbildungsplatz (Weißenburg
noch schlechter: 1,5).
Es wird heuer nicht einmal statistisch gelingen, jedem Bewerber einen
Platz anzubieten, der einigermaßen seinen Fähigkeiten und Neigungen
entspricht", erläuterte Peter Rost, der Leiter der Berufsberatung , und löste damit
unter Schulleitern und Unternehmern gleichermaßen Betroffenheit aus. Was können
in einer solch schwierigen Situation die tun, die Verantwortung tragen für die
Zukunft unserer Jugend?
Die schulische Vorbereitung auf die Berufswahl geschah in den letzten
beiden Jahren sehr intensiv und in der üblichen engen Zusammenarbeit mit der
Berufsberatung:
Arbeitslehreunterricht
Bewerbungstraining
Elternabend
Betriebspraktikum
Besuch im BIZ
Gruppen- und Einzelberatung
Man muss den Berufsberatern sehr danken, dass sie mit
außergewöhnlichem Engagement gerade auch schwierigere Vermittlungsfälle zu lösen versuchen.
Die Zusammenarbeit mit dem Elternhaus ist dabei unverzichtbar. Ein reger
Besuch der Elternabende wäre wünschenswert.
Der Arbeitskreis Schule-Wirtschaft veranstaltete auf Initiative seiner
Sprecherin Rita Smischek Ausbildungsplatzbörsen. Im letzten Jahr war die
Veranstaltung in Weißenburg ein voller Erfolg. 82 zusätzliche Ausbildungsplätze
wurden dem Arbeitsamt zur Vermittlung angeboten. Heuer wurde die Börse in
Gunzenhausen und in Weißenburg durchgeführt, leider mit deutlich geringerem
Erfolg. Es wurden 1.356 Betriebe angeschrieben. 30 Betriebe stellten insgesamt 36
zusätzliche Ausbildungs-plätze zur Verfügung, 20 im Raum Gunzenhausen und
16 im Raum Weißenburg.
Der Vorsitzende der Wirtschaftsjunioren Gunzenhausen, Robert
Bromm, nahm sich ebenfalls der Sache an. Er gab unseren Interessenten für einen
Beruf in der Baubranche Gelegenheit zu einem Gespräch mit dem Chef" und
informierte sie vor Ort über die entsprechenden Berufsbilder. Sinn dieser Aktion war
es, Suchende auf beiden Seiten direkt miteinander in Kontakt zu bringen und
auf aussichtsreiche Berufe aufmerksam zu machen, die nicht zu den begehrten
Modeberufen zählen.
Es muss gelingen, Jugendlichen einen Einstieg in das Berufsleben zu
verschaffen. Ausbildungsplätze sind im dualen System die Voraussetzung
dafür. Ich kann nur an die Verantwortlichen in den Unternehmen appellieren, trotz
aller Schwierigkeiten ihren Beitrag zur Linderung der Ausbildungsstellennot zu
leisten.
Franz Müller
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