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Eberhard Schneider, Direktor des Arbeitsamtes Weißenburg, sowie Ute Ernst und Peter Rost beantworten Fragen der Klasse 9 c 1. Wie ist die derzeitige Situation auf dem Stellenmarkt für Ausbildungsplätze? Bei der Berufsberatung waren Ende Mai noch rund 180 Bewerberinnen und Bewerber aus dem Raum Gunzenhausen gemeldet, die bis dahin noch keinen Ausbildungsplatz gefunden hatten. Bei den Berufswünschen der Jungen stehen Kfz-Mechaniker, Metallbauer, Einzelhandelskaufmann und Verkäufer vorne, bei den Mädchen sind es Einzelhandelskauffrau, Friseurin, Verkäuferin, Arzt- und Zahnarzthelferin. Ende Mai waren im Raum Gunzenhausen noch etwa 60 Ausbildungsplätze bei der Berufsberatung gemeldet. Gesucht wurden beispielsweise noch Azubis in Berufen Koch/Köchin, Kaufmann/-frau im Einzelhandel, Maurer, Metallbauer/in und Bäcker/in, aber auch in einigen anderen Berufen standen noch freie Ausbildungsstellen zur Verfügung. 2. Inwieweit hat sich die Aktion der Bundesregierung zugunsten neuer Ausbildungsplätze in unserem Landkreis ausgewirkt? Über 20 Jugendliche haben im Rahmen des Sofortprogramms der Bundesregierung eine überbetriebliche Ausbildung begonnen. 3. Haben Sie sich am Tag des Ausbildungsplatzes im Juni beteiligt? Mit welchem Erfolg? Die Fachkräfte des Arbeitsamtes haben sich am 8. Juni 1999, dem Tag des Ausbildungsplatzes, beteiligt und dabei 17 Ausbildungsplätze gewonnen. 4. Sind Hauptschüler schwerer zu vermitteln als Abgänger weiterführender Schulen? Hauptschüler sind nicht unbedingt schwerer zu vermitteln, allerdings hängt es davon ab, welche Qualifikationen sie mitbringen und für welche Berufe sie sich interessieren: Je besser die Qualifikation, um so besser die Chancen. 5. Welche Ausbildungsberufe sind eigentlich für Hauptschüler gedacht, werden aber trotzdem überwiegend mit Absolventen weiterführender Schulen besetzt? Warum? Generell stehen für Hauptschüler nahezu alle Ausbildungsberufe offen. Jedoch werden – je nach Schwierigkeitsgrad – einzelne Ausbildungsberufe mit Absolventen weiterführender Schulen besetzt. Bestes Beispiel dafür ist der Bankkaufmann/die Bankkauffrau. 6. In welchem Bereich werden trotzdem Hauptschüler bevorzugt? Hauptschüler haben vor allem in fast allen handwerklichen Ausbildungsberufen und gewerblich-technischen Berufen der Industrie große Chancen. 7. Worauf achten die Ausbildungsbetriebe besonders, wenn sie sich für einen Bewerber entscheiden? Wenn jemand einen technischen Beruf erlernen will, sind Mathematik und Physik sehr wichtig. Er muss aber nicht unbedingt ein As in Deutsch und Englisch sein. Anders bei kaufmännischen Ausbildungsberufen: Hier sind die Noten in Deutsch und Englisch ausgesprochen wichtig. Jede Zeugnisbemerkung, die einen negativen Inhalt hat, kann sich bei Einstellungsgesprächen negativ auswirken. Das äußere Erscheinungsbild ist ebenfalls abhängig vom jeweiligen Ausbildungsberuf. So kann sich ein Bankkunde einen Banklehrling nur schlecht in Freizeitkleidung vorstellen. Der Industriemechaniker wiederum darf sich etwas legerer geben. Wichtig für die Schnupperlehre ist die Tatsache, dass der Teilnehmer Interesse an dem Beruf und an dem Betrieb zeigt (Motivation!). Besondere Qualifikationen: Im Zeichen der Globalisierung der Märkte achten die Betriebe immer mehr auf Fremdsprachenkenntnisse. 8. Welche Bewerber sind am schwersten zu vermitteln? Wer lediglich über einen schwachen Hauptschulabschluss verfügt oder keinen Schulabschluss hat, tut sich naturgemäß am schwersten, einen Ausbildungsplatz zu finden. 9. Verfolgen Sie die Ausbildungswege? Wieviele brechen die Lehre vorzeitig ab und was sind die Gründe dafür? Eigentlich werden die Ausbildungswege der einzelnen Jugendlichen vom Arbeitsamt nicht verfolgt, es sei denn ein Ausbildungsabbruch droht oder nach Abschluss der Ausbildung wird ein anderer Arbeitsplatz gesucht. Erfahrungsgemäß brechen zwischen 15 und 20 Prozent der Jugendlichen ihre Ausbildung ab, die meisten im ersten Ausbildungsjahr. Gründe hierfür sind zum Beispiel: Die Jugendlichen haben sich etwas anderes unter dem Beruf vorgestellt, kommen möglicherweise mit dem Ausbilder nicht zurecht oder genügen nicht den theoretischen Anforderungen in der Berufsschule. 10. Was können Sie Jugendlichen empfehlen, damit sie ihre Ausbildung zu Ende bringen? Allen Jugendlichen ist generell zu empfehlen, mehr Zeit in das Lernen zu investieren und sich frühzeitig (mindestens ab Beginn der vorletzten Klasse) Gedanken über ihre Berufswahl zu machen. 11. Nun gibt es ja leider immer einige Schulabgänger, die trotz aller Bemühungen keinen Ausbildungsplatz finden. Gibt es für sie evtl. trotzdem Arbeitsangebote – ohne Ausbildung? Welche Möglichkeiten der schulischen Überbrückung bzw. Weiterbildung gibt es für sie? Arbeitsangebote ohne eine entsprechende Ausbildung werden immer rarer. Bis zum Jahr 2010 werden sich die Arbeitsplätze für Ungelernte halbieren. Deshalb ist es in jedem Fall besser, eine Ausbildung zu machen. Es gibt sowohl schulische als auch außerschulische Überbrückungsmöglichkeiten. Hierzu zählen beispielsweise das Berufsvorbereitungsjahr oder die Grundausbildungslehrgänge der Berufsberatung. Sie dienen allesamt der Berufsvorbereitung und verbessern die Chancen, einen Ausbildungsplatz zu finden. 12. Könnten Sie denjenigen, die jetzt noch keinen Ausbildungsplatz gefunden haben, im Herbst aber unbedingt eine Lehre beginnen wollen, einen guten Rat mit auf den Weg geben? Ein guter Rat wäre, ständigen Kontakt zu ihrer Berufsberaterin/zu ihrem Berufsberater zu halten, denn sie bzw. er weiß in aller Regel, in welchen Betrieben und in welchen Berufen noch Azubis gesucht werden.
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