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Bildungsoffensive Bayern - Auswirkungen bei uns
F 10, R 6, M-Klassen, M-Kurse, P-Klassen – häufig gebrauchte Kürzel, hinter denen sich Ziele und Inhalte verbergen, wie die Staatsregierung das bayerische Schulwesen weiterentwickeln will. Dargelegt wurde das Gesamtkonzept in einer Regierungserklärung der Bayerischen Staatsministerin für Unterricht und Kultus, Monika Hohlmeier, vor dem Bayerischen Landtag am 11. Februar 1999. Neben einer inneren Schulreform, die allgemein auf die Verbesserung der Unterrichtsqualität abzielt, soll eine äußere Strukturreform die Bildungslandschaft verändern. Die Realschule wird flächendeckend in einer 6-stufigen Form (R 6) mit Übertritt nach der vierten Grundschulklasse eingeführt werden. Der Ausbau verursacht sehr hohe Kosten und wird daher schrittweise erfolgen. Ausgangspunkt waren Klagen von Gymnasien, ihre Schulen besuchten im 5. und 6. Jahrgang zu viele ungeeignete Schülerinnen und Schüler, die dann in Realschulen überwechselten. Mit der Ausweitung der Realschule sollte das vermieden werden. Diese bildungspolitische Strukturreform wurde und wird von Realschullehrern ebenso heftig begrüßt, wie sie von uns Volksschullehrern energisch abgelehnt wird, bis hin zu einem angekündigten Volksbegehren. "Die Hauptschule erfüllt in unserem Schulsystem eine ganz entscheidende Aufgabe." (Monika Hohlmeier) Deshalb sei es unbestritten, dass die Hauptschule gestärkt werden müsse. Wer an der Hauptschule über den qualifizierenden Abschluss hinaus die Mittlere Reife anstrebt, solle dazu künftig bessere Möglichkeiten erhalten. Als eine von vier Möglichkeiten führten bisher freiwillige 10. Klassen der Hauptschulen (F 10) unter sehr strengen Eingangsvoraussetzungen in einem Schuljahr zum gleichwertigen mittleren Abschluss. Künftig werden entsprechend geeignete Schülerinnen und Schüler, die einen mittleren Abschluss erreichen wollen, in eigenen Kursen, Klassen oder Zügen (M-Kursen, M-Klassen, M-Zügen) bereits ab der 7. Jahrgangsstufe darauf vorbereitet. Schüler, die vor der Schulentlassung stehen und wegen ihrer Lern- und Leistungsrückstände kaum Aussicht haben, den Hauptschulabschluss zu erreichen, können künftig im letzten Schulbesuchsjahr freiwillig sogenannte Praxisklassen (P-Klassen) besuchen. Dort sollen zum einen ihre Grundkenntnisse in Deutsch, Mathematik und Arbeitslehre verbessert werden. Zum anderen wird praktischer Unterricht in Werkstätten von Berufsschulen oder Unternehmen auf die Berufswelt vorbereiten. Die Schüler erhalten ein Zeugnis mit ausführlicher Beschreibung aller Leistungsbereiche, auch der Praxis. Soweit die Reformziele. Wie wird sich die Strukturreform in unserer Schullandschaft auswirken? Keine Realschule in unserem Einzugsbereich wird im nächsten Schuljahr als R 6 geführt werden, also ändert sich kurzfristig nichts. Die Senefelder- Schule in Treuchtlingen wird ab dem Schuljahr 2000/2001 damit beginnen. Unsere Schüler besuchen die Realschule in Wassertrüdingen, vereinzelt auch in Ansbach; Mädchen bevorzugen die private Realschule der Hensoltshöhe am Ort. So lange dort die vierjährige Form bestehen bleibt, werden weiterhin 15 % unserer Schüler nach der 6. Klasse und noch einmal 2 % nach der 7. Klasse in diese Schulen übertreten. Sollte die Reform langfristig dort greifen, werden wir die 5. und 6. Jahrgangsstufe keinesfalls mehr vierzügig führen können. Für alle unsere Schülerinnen und Schüler, die eine kaufmännische Ausbildung anstreben, ändert sich überhaupt nichts. Sie werden wie bisher nach der 6. Jahrgangsstufe (18 %) oder nach der 7. Jahrgangsstufe (8 %) in die vierjährige Wirtschaftsschule übertreten oder nach der 9. Jahrgangsstufe in die zweijährige Form. Wie steht es mit der Mittleren Reife an unserer Schule? Diese Möglichkeit hätte ich mir 1969 bei der Einführung der 9. Jahrgangsstufe gewünscht. Damals blieben die dafür geeigneten Schülerinnen und Schüler noch bei uns. Inzwischen haben sie sich umorientiert. Seit Einführung der F 10 im Schuljahr 1994/95 bemühten sich Stadt und Schule ebenso intensiv wie vergeblich darum, Standort zu werden. In den beiden letzten Schuljahren durften wir wenigstens Bewerber zählen. 11 Geeignete waren es im letzten Schuljahr aus dem gesamten Altlandkreis Gunzenhausen sowie aus dem Wassertrüdinger und Arberger Raum. 15 hätten wir für eine Klasse gebraucht. Aus der Stephani-Schule selbst besuchten schließlich je ein Schüler die F 10 in Ansbach und Weißenburg, aber 11 die zweijährige Wirtschaftsschule in Gunzenhausen und weitere 2 in Ansbach. Im gesamten Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen wird es im nächsten Schuljahr einen einzigen Standort für eine Mittlere-Reife-Klasse im 9. Schuljahr geben, nämlich an der Weißenburger Hauptschule. Selbst diese Klasse ist zur Zeit noch nicht gesichert, weil es dafür zu wenig geeignete Schüler gibt. Aus unseren beiden 8. Klassen mit insgesamt 51 Schülerinnen und Schülern erreicht niemand den geforderten Notenschnitt von 2,33. Zwei Schüler sind mit einem Notendurchschnitt von 2,66 fraglich geeignet. Sie verzichten darauf, den täglichen Schulweg nach Weißenburg auf sich zu nehmen, aber für sie können wir noch nicht einmal einen M-Kurs einrichten. Praxisklassen werden im nächsten Schuljahr im Schulversuch erprobt Die für uns nächstgelegenen Standtorte werden in Nürnberg und Fürth sein – unerreichbar für unsere Schüler. Von der äußeren Strukturreform wird also die Stephani-Schule mittelfristig weder so noch so berührt sein. Unser Beitrag zur "Bildungsoffensive Bayern" wird sich wie bisher auf die innere Schulreform konzentrieren. Ich bedanke mich bei allen Kolleginnen und Kollegen,
Besonders froh und dankbar bin ich, dass alle anstehenden Probleme in Lehrerkonferenzen, mit Elternbeirat, Schulamt und Sachaufwandsträger offen diskutiert und stets einvernehmlich gelöst werden konnten. Auch in dieser Hinsicht war mein 20. Dienstjahr als Leiter dieser Schule eine bemerkenswerte Zeit. Franz Müller
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